Der Slogan

“In the middle of Nüscht” ist die Antwort auf die Frage: “Wo kommst du eigentlich genau her, Jana?” So einfach 🙂 Naja… Es dauerte und war ein Prozess… Der Erklärbär deluxe am Start und oftmals an der Grenze des Machbaren. Also Zeitsprung. Wir schreiben das Jahr 1994. Ich muss hier raus aus der Altmark – das Lied von Revolverheld “Lass uns geh’n” unter umgekehrten Vorzeichen sozusagen. Denn mir haben damals die Enge der Kleinstadt Osterburg und Dörfer die Seele verbaut – nicht die der Hochhäuser. Ab nach Düsseldorf und Köln.

Jana Henning, Osterburg

och, uff, nüscht, keene und nee –
5 altmärkische Stammvokabeln im Ärmel

Und dann kommst du da an. Mit 17 und den fünf altmärkischen Stammvokabeln im Ärmel: och, uff, nüscht, keene und nee. Ein nicht überhörbarer Zungenschlag, der dich zumindest als Nicht-Rheinländer ausweist, perfekt zum rheinischen “dat” und “wat” passt, dich bei nur oberflächlich interessierten Gesprächspartnern als Berliner einordnet. Und dann gibt es die, die es wirklich wissen wollen. Schweißperlen auf der Stirn, kalte Schauer geben sich sekündlich die Hand – ein Kraftakt der Völkerverständigung, so kurz nach der Wende. Hier mal ein Dialog, den ich nicht selten in Neuss, Düsseldorf, Köln & Co. erlebte:

“Wo kommst du eigentlich genau her, Jana?” – die Entscheidung muss schnell fallen: Langversion oder Kurzversion? “Ja, also aus der Altmark, aus Osterburg… Das liegt bei Stendal… Hat ‘nen Bahnhof mit ICE-Anschluss”, gleich entschuldigend hinten dran. Manchmal laut, manchmal leise bis stumm als Antwort immer dieses “WAT?” Willkommen im rheinischen Tal der Ahnungslosen!, dachte ich mir dann nur und nutzt ja nüscht. “Bei Magdeburg? Die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt!” Was darauf folgte – eieiei… “WATT? Du bist Sachse?” Okay…. Janz dünnet Eis jetzt 😉

“Nee, ich bin Altmärker!!! Das ist in der Mitte von Deutschland. Guck mal auf die Landkarte, wo alles so grün ist. Ohne Autobahn. Ohne große Städte. Wo nüscht ist. Nüscht weiter. Und da jenau mittendrin – also in the middle of Nüscht.”

Dann hattest du sie.
Ihre Aufmerksamkeit für die Altmark.

Der Spruch ist augenzwinkernd, liebevoll gemeint. Denn ich finde es hier auf keinen Fall öde, ich finde es erstrebenswert hier zu leben, so schwer mir das Ankommen nach 17 Jahren im Rheinland dann 2011 auch fiel. In the middle of Nüscht ist für mich nicht Mordor, sondern Auenland 😉 Und ich verstehe mich als #ALTMARKBOTSCHAFTER. Ich lebe hier inzwischen wieder auf Augenhöhe und vor allem auf Herzhöhe. Das drückt der Slogan für mich aus, darum habe ich ihn eingereicht, als Osterburgs Bürgermeister im Sommer 2012 die Bürger aufrief, ein Motto für die Stadt zu finden. Platz 2 für “In the middle of Nüscht”. Für Osterburg ist es “Wir leben Land” geworden, für die Altmark über das Buch von Sibylle Sperling “In the middle of Nüscht”. Und dafür Danke! Kann man nicht oft genug sagen. Stellvertretend im Namen aller Altmärker – die Hiergebliebenen, die Weggezogenen, die womöglich Zuziehenden und Besucher!

PS: Wahrscheinlich spielte bei dem Spruch der ein oder andere lustige Abend im Neusser Freundeskreis eine nicht unwesentliche Rolle. Er steht zumindest schon als ultimative Lobhudelei an den altmärkischen Sprech in meiner Hochzeitszeitung.